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img156Im Jahre 1925 brannte die Stadtmühle an der heutigen Stadtbrücke ab. Das Feuer drohte auf die  nahegelegene Häuser überzuspringen. Die Mehlsäcke explodierten kanonschußartig und Augenzeugen beobachteten, wie das Feuer gleich einer Lunte entlang der mit Mehlstaub bedeckten Balken lief. Da man das schlimmste für die Stadt befürchtete, rief man auswärtige Hilfe. Entscheidend für die Verhinderung einer weiteren Brandkatastrophe war vor allem der Einsatz der Werkfeuerwehr der Schramberger Firma Junghans, die mit einer Motorspritze am Brandherd erschienen war. Dieser Brand hatten den Verantwortlichen gezeigt, dass nur eine mechanisch betriebene Spritze ein wirksames Brandbekämpfungsmittel darstellte.

Die Stadt entschloss sich deshalb auf Vorschlag der Feuerwehr zum Kauf einer Motorspritze, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Finanzierung zum größten Teil noch offen war. Bereits am 6. November 1925 führten die Benzwerke Gaggenau eine Autospritze vor. Die Vorführung fand vor dem Rathaus statt, wobei das Wasser aus dem damaligen Riesner entnommen wurde.

Diese Vorführung, von der auch in der Ausgabe der damaligen Heimatzeitung "Der Kinzigtäler" berichtet wurde, hat wohl alle Anwesenden von den Qualitäten des Benz überzeugt. Nur aus diesem Grund ist es wohl zu erklären, dass schon am 2. Dezember 1925 ein Fahrzeug der Benzwerke Gaggenau zum Preis von 27.916,50 Reichsmark gekauft wurde. Da die Auslieferung bereits am 20. Januar 1926, gerade sechs Wochen später erfolgte, kann man davon ausgehen, dass die Fahrzeuge zu dieser Zeit "auf Halde" produziert wurden.

img157Bei der schwierigen Frage der Finanzierung hat man versucht, von den Wolftalgemeinden Oberwolfach, Schapbach und Bad Rippoldsau sowie dem katholischen Stiftungsrat Bad Rippoldsau und dem Kreis Offenburg einen Zuschuss zu erhalten. Begründet wurde dies seitens der Stadt Wolfach mit dem Hinweis auf mögliche überörtliche Einsätze.

Am 24. Februar 1926 wurde die erste motorisierte Autospritze der Feuerwehr Wolfach schließlich zum Straßenverkehr zugelassen.

Markante Einsätze
Im Jahr 1938 musste die Feuerwehr Wolfach zu einem Brand nach Oberwolfach ausrücken. Im Anschluss an diesen Brand wurde von verschiedenen Seiten innerhalb der Feuerwehr Kritik am schlechten Wartungszustand geübt. Wie wichtig der Benz für die Überlandhilfe im ehemaligen Kreis Wolfach war, zeigt sich darin, dass das Fahrzeug in der Zeit von 1926 bis 1940 bei 22 Brandfällen außerhalb des Stadtgebiets eingesetzt werden musste.
Am 11. August 1944 musste der Benz um 17.15 Uhr nach Straßburg ausrücken, um sich an den Löscharbeiten nach einem Bomberangriff zu beteiligen. Die Spritze war bis 24.00 Uhr an den Löschmaßnahmen beteiligt und kehrte am 12. August 1944 gegen 6.00 Uhr morgens wieder nach Wolfach zurück. Feuerwehrkameraden, die bei diesem Einsatz dabei waren, erzählen noch heute davon, wie die neueren Fahrzeuge, die bereits luftbereift waren auf Grund der überall in den Straßen herumliegenden Glassplitter mit platten Reifen liegengeblieben sind. Lediglich die Wolfacher Motorspritze, die Vollgummireifen besitzt, hatte nicht mit derartigen Problemen zu kämpfen und konnte ihren Einsatz erfolgreich beenden.

Nach Ende des Kriegs wurde die grüne Lackierung, die während der Diktatur an allen Fahrzeugen der Feuerschutzpolizei vorgeschrieben war wieder entfernt und der Benz bekam seinen alten roten Anstrich. In diesem Tagen musste die Feuerwehr Wolfach darum kämpfen, dass das Fahrzeug in Wolfach bleiben konnte. Die französischen Streitkräfte wollten die Motorspritze nach Frankreich überführen. Nur mit größter Mühe konnten die zuständigen Stellen davon überzeugt werden, dass der Brandschutz nicht nur in der Stadt, sondern im gesamten Kreis Wolfach von der Motorspritze abhängig war und eine Überführung des Fahrzeugs nach Frankreich sich auf den Brandschutz katastrophal ausgewirkt hätte.

schlossbrandSchloßbrand
In der Nacht zum 23. Januar 1947 kam eine der größten Bewährungsproben für den Benz. Beim Brand des Nordflügels des alten Fürstenberger Schlosses drohte der Stadt Wolfach eine Brandkatastrophe großen Ausmaßes, da der Wind die Funken auf die Stadt zutrieb. Stundenlang kämpften die Feuerwehrangehörigen aus Wolfach und den umliegenden Gemeinden Seite an Seite bei minus 16 Grad, um die aufziehende Katastrophe zu verhindern. In letzter Minute drehte der Wind, so dass ein Übergreifen der Flammen auf umliegende Gebäude verhindert werden konnte.

Der Verkauf
img004Am 5. Oktober 1961 wurde dem Fahrzeug zum ersten mal die Zulassung auf Grund technischer Mängel entzogen. Diese wurde allerdings nach umfangreichen Reparaturarbeiten wieder erteilt. 1967 wurde vom Feuerwehrausschuss empfohlen die Benz Motorspritze zu verkaufen. Diesem Ansinnen des Feuerwehrausschusses hat der Stadtrat wenige Tage später mit einem Beschluss über den Verkauf der Motospritze zum Preis von 5.000 Mark entsprochen.
Durch einen Fehler des damaligen Bürgermeisteramts konnte das Fahrzeug nicht - wie ursprünglich geplant - an eine Brauerei verkauft werden. Durch eine Namensverwechslung wurde das Fahrzeug der Stuttgarter Dinkelacker Brauerei und nicht der Böblinger Schönbuchbrauerei, deren Eigentümer Dinkelacker hieß, zum Kauf angeboten. Diese Namensverwechslung muss im nachhinein allerdings als Glücksfall angesehen werden. Es kann sich jeder vorstellen, wie das Fahrzeug bei einem Verkauf zu einer fahrenden "Zapfstelle" verkommen wäre.
Nach weiteren vergeblichen Versuchen die Motorspritze zu verkaufen, wurde sie 1970 an den Allgemeinen Schnauferl-Club e.V., Landesgruppe Westfalen, zum Preis von 2.400 DM verkauft. Am 8. Mai 1970 verließ die "Alte", wie das Fahrzeug seit langen Jahren liebevoll genannt wurde, Wolfach.

(Artikel aus der Festschrift zum Oldtimertreffen 1998)

 
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